Sonntag, Juli 24, 2016

Radwandern von der Saalequelle nach Naumburg

Unseren Sommerurlaub haben wir in diesem Jahr geteilt - zuerst Radwandern - danach Entspannung am Meer. Die Radtour im letzten Jahr von Berlin zur Insel Usedom hat mir sehr gefallen. Man muss sich auf nichts konzentrieren, wichtig allein ist das Ankommen. Wenn es nicht zu anstrengend ist, kann man dabei auch die Gegend genießen. Aber dass ist mir in diesem Jahr auch nicht ganz gelungen.

Auf die Idee bin ich gekommen, als ich zwischen Weihnachten und Neujahr im Fernsehen eine Reportage über die Saale sah. Durch ihre vielen Biegungen und Schleifen, gesäumt von Burgen und Schlössern, gehört sie zu den schönsten Flüssen in Europa.
Der Winter ist eine gute Zeit zum Planen: mein Mann hat die Etappen ausgerechnet und Unterkünfte gebucht. Für mich blieb dann nicht mehr viel zu tun, nur Taschen packen und los.



Tag 1 (Samstag) - von Münchberg nach Fattigau


Wir sind von Michendorf mit dem Schönen-Wochenend-Ticket gestartet. Es ging früh um 6 Uhr los mit Umsteigestationen in Dessau - Leipzig - Hof. Um 12 Uhr kamen wir in Münchberg an. Wir haben uns auf die Tippeltappeltour mit der Bahn eingestellt, daher war alles stressfrei. Das Frühstück bereiteten wir zu Hause vor. Es gab wie zu Kinderzeiten große Stullenpakete mit gekochten Eiern, Obst und Gemüse - gegessen wurde in der Bahn. Ein Reisender hat uns sogar seinen Tischplatz angeboten.

Vor dem Umsteigen hatte ich etwas Bammel, verlief dann aber völlig problemlo. In Dessau muss man nur die Seite des Bahnsteiges wechseln. Die Gleise in Leipzig liegen alle auf einer Ebene. Nur in Hof musste ich mein Fahrrad schleppen, fast jedenfalls. Mir kam sofort ein Mann zu Hilfe, der mein Rad die Treppen hoch trug; mit Gepäck wohlgemerkt. Das wäre mir hier im Berliner Raum passiert! Unglaublich diese Franken! 

In Münchberg konnten wir dann endlich Rad fahren. Zuerst wollten wir zur Saalequelle. Die ist in Zell im Fichtelgebirge. Und da waren auch schon die Berge, puh ist das anstrengend so ein vollbepacktes Rad zu schieben. Die Quelle liegt mitten im Wald, es war schön kühl und mit neuem Schwung begann dann wirklich unsere Tour immer an der Saale entlang. Der nächst größere Ort war Schwarzenbach an der Saale. In einem kleinen Café gab es leckere Torte und dann war es auch nicht mehr weit bis zu unserer ersten Übernachtungsstation: Landgasthof Braukeller in Fattigau.
Vis a vis befand sich eine kleine Brauerei, die bereits seit 1353 Bier braut. Natürlich war das das erste Getränk was wir zu uns nahmen. So schön frisch und kühl, direkt an der Saale sitzend, lässt es sich gut trinken. Übrigens ist die Dichte nirgends so hoch wie in Oberfranken: auf 7.230 km² soll es es 200 Brauereien geben.

Gefahrene Kilometer am 09.07.2016 - 41,8 km



 Tag 2 (Sonntag) - von Fattigau nach Bad Lobenstein 


Gut ausgeruht rollten wir los Richtung Hof. Es war sonnig und warm, viele Radler waren unterwegs. Wegen unserer großen Taschen wurden wir immer wieder gefragt woher/wohin, es gab mehrere Empfehlungen was wir uns ansehen sollten -  ein nettes Volk sind die Franken.
Zeit blieb nur für einen Spaziergang durch den Fernwehpark.
Dann lernte ich das Fichtelgebirge mit den Schiebebergen kennen. Schiebeberge deshalb, weil ich es nicht schaffte hochzufahren, jedenfalls nicht ohne Akku. Bisher verweigere ich mich ja noch der neuen Technik. Ein paar Jahre will ich noch mit eigener Muskelkraft fahren, aber eine gute Alternative sind die neuen Bikes auf jeden Fall. Wir trafen einige (ältere) Herren, die damit die Tour gut bewältigten.

In Hirschberg wird die Saale Grenzfluss zwischen Bayern und Thüringen, wir pendelten immer hin und her. Bemerkenswert fand ich den Blick zum Brückenrasthaus Frankenwald. Sonst rast man im Auto daran vorbei.

Allerdings verloren wir dort irgendwie unsere Route. Bemerkt haben wir das in Eisenbühl. Der Besuch des Eisen-Skulpturenparks wird eigentlich nur als Alternative beschrieben. Gelohnt hat es isch jedoch, es gab viel zu sehen:



Dann kamen wir in Blankenstein an, es ging zum Glück viel bergab. Wir fuhren über den Selbitzsteig und kamen am Start- bzw. Endpunkt des Höhenwanderweges "Rennsteig" an. Hier treffen mehrer Wanderwege zusammen, vielleicht bekamen wir deshalb kein Quartier in Blankenstein?

Radfreundlich war die Stadt auch nicht, es gab merkwürdige Wege. Fuhren wir anfangs auf der Straße, wurden wir irgendwann umgeleitet zum Beginn des Radweges, den zu finden nicht einfach war und dann standen wir am Start und kamen den Berg kaum hoch. Es ging so steil bergan, der Neubau hätte auch als Sprungschanze gelten können. Manchmal weiß man nicht, was die Planer sich denken.Vielleicht gab es eine Förderung von der EU - die verbraucht werden musste? Dieser neue Radweg führte uns schließlich wieder auf die Straße - viel Lärm um nichts - für uns nur mehr Weg und Anstrengung.

Ich wurde dann schon quengelig, denn das Ziel rückte näher. Doch zu früh gefreut, der Weg nach Bad Lobenstein ging nur bergan, genauer gesagt steil bergan = 3 km schieben!
Doch es sollte sich lohnen. Wir hatten eine schöne Unterkunft im Hotel der Destillerie & Marktbrauerei. Ihr könnt Euch vorstellen wie das Bier gezischt hat - naturtrüb und schön süffig :)


Gefahrene Kilometer am 10.07.2016 - 54,8 km



Tag 3 (Montag) - von Bad Lobenstein nach Altenbeuthen



Der Tag wird schwierig, dass wusste ich spätestens nach dem Blick ins Höhenprofil der Etappe. Es gab vieeeele Berge, und zum Ende der Tour warten noch zwei besonders steil aufragende Brocken auf mich. Aber bis dahin war noch Zeit - wir starteten in den Tag mit einem schönen Sektfrühstück.
Dann ging es hoch und runter - immer an der Saale lang? Schön wär´s. Wir fuhren durch das Thüringer Schiefergebirge. Die Saale schlängelt sich durch die Landschaft und wir können sehen wo wir bleiben. Hier waren die Wegebauer etwas milder mit den Radlern gestimmt, die Strecke war zwar steil, doch es gab Bänke zum Ausruhen und Zeit die Aussicht zu Genießen.

Oben angelangt in Burgk verlangte uns nach einer schönen Stärkung. Es muss wohl am Montag gelegen haben, weit und breit war kein Mensch zu sehen, geschweige denn ein geöffnetes Rasthaus. Also weiter - auf der anderen Seite des Berges fanden wir eine sehr schöne Bank an der Saale mit Blick auf das Schloss Burgk. Das musste für eine Pause genügen.

In Ziegenrück fanden wir endlich eine schöne Einkehr, so gestärkt konnte ich den ersten großen Brocken angehen. Nach einem langen Anstieg kommt zum Glück oft eine rasante Abfahrt, diesmal mit Kurs auf die Fähre nach Altenroth. Dort fanden wir endlich eine schöne Badestelle. Zum Glück war das Wasser glasklar und herrlich frisch.

Vor dem letzten großen Berg verführte ein Schild zum kleinen Umweg - diesmal gab es Eis in Nachbarschaft vom Ökohof. Hier hätte man auch ein schönes Quartier nehmen können. Aber wir haben Zimmer in Altenbeuthen, also los. In Serpentinen schoben wir uns hoch. Hier hätte ich mir ein Fahrrad mit Akkubetrieb gewünscht. Man hat keine Vorstellung wie schwer so ein Rad beim Schieben werden kann, noch dazu mit schweren Gepäcktaschen. Aber ich habe es mir ausgesucht und letztendlich doch geschafft.

Gefahrene (incl. gelaufene)  Kilometer am 11.07.2016 - 58,8 km



Tag 4 (Dienstag) - von Altenbeuthen nach Krossen


















Nach einem guten Frühstück waren die Taschen wieder schnell gepackt. Es ist ja erstaunlich mit wie wenig Kram man durch die Gegend fahren kann. Die Wetterprognose war sehr sonnig, so dass wir die schweren Regensachen mutig zu Hause gelassen haben.

Sehr beeindruckend war in Hohenwarte die Talsperre. Sie dient der Stromversorgung und reguliert den Wasserstand für die Saale-Elbe-Schifffahrt. Auf dem Markt in Saalfeld versorgten wir uns mit frischem Biogemüse und beobachteten das Treiben. Weiter ging es durch Schwarza und Rudolstadt. In Rudolstadt war das Wochenende vorher das größte Folk-Roots-Weltmusik-Festival. Über der Stadt erhebt sich die Heidecksburg. Geht man durch die Gassen findet man an vielen Ecken kleine künstlerische Anstupser. Kleine Gedichte, moderne Skulpturen und geschichtliche Informationen sind unaufdringlich in den mittelalterlichen Kulisse eingeflochten. Gern hätte ich hier mehr Zeit verbracht.

Wir hatten es nicht mehr weit nach Krossen. Im Hotel "Edelhof" war unser Quartier. Hier gab es viel Fachwerk, dahinter moderne Zimmer und thüringische Küche.

Gefahrene Kilometer am 12.07.2016 - 54,6 km


Tag 5 (Mittwoch) - von Krossen nach Kleinheringen


Die letzte lange Etappe liegt vor uns, ist wird die längste der ganzen Tour werden. Dafür gibt es fast keine Berge mehr. Bisher haben wir alles gut geschafft. In Kahla waren wir wieder in der Innenstadt, auf dem Markt und liefen durch die Gassen. Dabei entdeckten wir ein Schild mit dem Hinweis auf Werksverkauf im Ort. Dorthin wollten wir gern und nahmen einen kleinen Umweg in Kauf. Natürlich ließen wir uns auch zum Kauf verführen. Das Geschirr wurde uns direkt nach Hause geschickt.

Nun lag Jena vor uns, aber im Rücken grollten dunklen Wolken. Also traten wir kräftig in die Pedale und konnten dem Gewitter entfliehen. Aber die große Stadt war auf einmal zu viel für uns. wir schlenderten nur kurz durch die Innenstdt und wollten dann weiter. Jetzt kam das Gewittergrollen aus der anderen Richtung auf uns zu. Diesmal gab es wohl kein Entrinnen und weit und breit erst mal keine Möglichkeit zum Unterstellen in Sicht. Mario sah ein Hinweisschild einer Gaststätte und wir rasten wie der Wind dorthin. Leider machte sie erst abends auf. Doch der Biergarten war nur mit einer Kette gesichert. Da blieb nur ein beherzter Griff zur Kette und wir waren im Trocknen. Und dann ging es auch schon los, es schüttete aus Kübeln. Glück gehabt - eilig hatten wir es nicht und so warteten wir geduldig ab. 

Eine Stunde später konnten wir weiter fahren, es tauchten dann irgendwann die ersten Weinberge auf und einige Kilometer später waren wir in Kleinheringen im Hotel "Sonnekalb".  Das Hotel ist ein alter, restaurierter Vierseithof. Die Zimmer waren modern und liebevoll eingerichtet. 
Wer Zeit und Muße hat, könnte sich das hauseigene Museum mit Werkzeugen aus den letzten Jahrhunderten ansehen. Uns verlangte nur nach einer ordentlichen Stärkung, es gab hausgemachte Thüringer Klöse und Roulade.

Gefahrene Kilometer am 13.07.2016 -  72,6 km


Tag 6 (Donnerstag) - von Kleinheringen nach Naumburg



Nur noch ein Katzensprung trennt uns von Naumburg. Dort endet unsere Reise. Schade eigentlich, denn von hier aus geht es fast nur noch schnurgeradeaus zur Saalemündung. Ich hoffe im nächsten Jahr können wir hier wieder einsteigen und die letzten Etappen radeln.

Natürlich haben wir uns den Dom angesehen und Uta besucht.
Dann wollten wir aber nach Hause. Mit dem Zug klappte das wieder prima - über Leipzig und Dessau. Übrigens zahlt man für Räder in Sachsen-Anhalt und Thüringen kein Beförderungsentgelt. In Brandenburg war es dann aber wieder fällig :)

Gefahrene Kilometer am 14.07.2016 - 19,6 km

Kommentare:

Rostrose hat gesagt…

Liebe Anke,

deine Schilderungen klingen zugleich schön und anstrengend. Für Bergfahrten wäre ich nicht wirklich zu haben, da hat mir seinerzeit schon die Golden Gate Bridge und das hügelige Sausalito gereicht – ich bin eindeutig eine Flachlandradlerin. Nordholland hat mir damals sehr gut gefallen, ist aber schon ewig her. Aber als wir heuer in Königstein in der Sächsischen Schweiz begeisterte Elbe-Radewegfahrer kennenlernten, dachte ich mir, so eine Radtour in der Ebene könnte mir auch mal wieder Spaß machen. Vielleicht ja mal im eigenen Land, entlang der Donau oder rund um den Neusiedlersee. Mal sehen, wann und ob was daraus wird …

Herzliche rostrosige Sommergrüße, Traude

Hanna hat gesagt…

Liebe Anke,
Danke für diesen netten Bericht, es ist beinahe als wäre man mitgefahren. Schöne Bilder hast du auch dazugestellt, so habe ich ein stück Deutschlands beinahe kennengelernt -
liebe Grüße
Hanna

Klaudia hat gesagt…

Liebe Anke,
einen tollen Urlaubsbericht hast du geschrieben und schöne Bilder dazu fotografiert.Danke fürs mitnehmen!

LG Klaudia

Kleine Nadelelfe hat gesagt…

Liebe Anke
eine schöne Radtour hast Du gemacht und dazu einen wunderschönen Tagesbericht geschrieben und tolle Bilder dazu eingesetzt. Beim Lesen habe ich Dich beneidet.
Ganz herzliche Grüße
Ingeburg

Nanni Bö hat gesagt…

Hallo Anke,
danke für deinen schönen Reisebericht!
Beim Schieben habe ich richtig mitgefühlt, denn ich weiss aus Erfahrung,wie schwer ein gepacktes Rad ist,
So ein Radlerurlaub ist immer wieder schön!
herzliche Grüße
Marianne

Polly Patent hat gesagt…

Liebe T. A.,
schon das tägliche Foto mit der Route von O. M. haben Spaß gemacht, aber deinen wunderschöngeschriebenen Bericht zu lesen war die Krönung. Da kann man nur noch Lust auf Radfahren und Urlaub bekommen!

Liebe Grüße,
Linda

Elisabeth hat gesagt…

Liebe Anke, vielen Dank für den schönen " Radelbericht" und die interessanten Bilder!! Lg Elisabeth